von Sofia (Bulgarien) nach Bad Salzungen

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Deutschland: Deutschland ist mein Leid und mein Glück – meine neue, bessere Heimat. Es hat mich so gemacht, wie ich jetzt bin. Hier wurde ich reifer und zu einem starken Kampfgeist. Meine Eltern wünschten sich für mich, dass ich weit komme, im Leben viel erreiche und die bestmöglichen Voraussetzungen dafür habe. Sie sind nach Deutschland migriert, damit ich eine bessere Zukunft bekomme als in meinem Geburtsland Bulgarien. Das politische genau wie das Schulsystem hier gehören zu den besten, und die Chance ist groß, weit zu kommen. Mit einem guten Schulabschluss und dem Abitur öffnen sich mir die Türen zu Universitäten. Dort lernt man sehr viel über andere Kulturen und Glaubensweisen, was mir persönlich sehr wichtig ist.
Familie: Das Beste in Deutschland war die Zeit, die ich mit meinen Eltern verbracht habe. Ich bin ihnen für alles dankbar, sie sind meine Helden und bleiben es. Wir halten an unserer Kultur fest, feiern Weinachten oder Ostern  in unserer Tradition. Wir versuchen den Kontakt zu unserer Familie zu stärken, da sie unsere einzige echte Verbindung zu Bulgarien ist. Ich musste allerdings auch meine schlimmste Erfahrung überhaupt hier in Deutschland machen: der Tod meines Vaters, tragischerweise genau an seinem 50. Geburtstag, Anfang 2021. Es war der größtmögliche Schmerz. Meine Mutter war an jenem Tag an der Arbeit, ich habe zuhause vorbereitet und geschmückt, um Papa zu überraschen. Dann klingelte die Polizei, und mein Herz fiel zum Boden. In diesem Moment hat sich die Welt gedreht. Innerhalb von wenigen Tagen wurde ich gefühlt zehn Jahre reifer – weil ich mich auch um alle Formalitäten kümmern musste, da meine Mutter das niemals allein geschafft hätte. Bis heute fragt sie sich, was sie ohne mich getan hätte. Dann sage ich ihr, dass sie das nicht braucht – denn ich werde immer für sie da sein. Und nicht nur für sie, sondern für alle, die es brauchen: Meine Wunschberufe, die ich anstrebe, sind Kriminalpsychologie und Psychotherapie.
Das Schwierige: Natürlich gab es von allem abgesehen in Deutschland auch schlechte Erfahrungen, wie Fremdfeindlichkeit. Das musste ich anfangs leider so oft erleben, dass es mich manchmal zum Zweifeln brachte, ob nicht Deutschland doch die falsche Entscheidung war. In solchen Momenten fühle ich mich durchaus fremd hier. Jedoch wird mir dann wieder schnell klar, dass ich EU-Bürgerin bin, und eigentlich überall hingehen kann, ohne dass es mir jemand verbieten kann. Ich liebe es, zu reisen und neue Städte zu erkunden. Deswegen ist das Europa-Stipendium, das ich 2021 bekommen habe, auch eine meiner schönsten Erfahrungen – die mir die Freiheit gibt, so viel wie möglich von Deutschland zu sehen und viele neue Leute wie mich mit einer interessanten Vergangenheit kennenzulernen. Ich habe viel durchgemacht in Deutschland und ich fand immer wieder auf. Deutschland ist meine Heimat. Vielleicht nicht von Geburt an, aber Deutschland ist mein Zuhause. Ich sehe mich nirgends außer hier, denn hier bin ich richtig. Ich bin ein Teil Deutschlands und Deutschland ein Teil von mir.  

Ana-Maria Velichkova (15) besucht das Gymnasium in Bad Salzungen und hat 2021 ein prestigeträchtiges Europa-Stipendium erhalten. Sie liest gerne und macht in ihrer Freizeit Fitness-Training.  
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